Bei einer Probefahrt prüfen Sie, ob sich der Gebrauchtwagen im Alltag gut bedienen lässt und ob beim Fahren Auffälligkeiten auftreten. Klären Sie vorher die Bedingungen und planen Sie eine passende Strecke. Vereinbaren Sie außerdem Zeit für eine gemeinsame Kontrolle vor und nach der Fahrt.
Wenn Sie das Modell und seine typischen Schwachstellen kennen, wissen Sie, worauf Sie achten sollten. Bei der Probefahrt bekommen Sie einen eigenen Eindruck vom Auto. Offene technische Fragen klärt sie aber nicht, dafür brauchen Sie eine fachkundige Prüfung.
Vor dem Termin klären
Vereinbaren Sie mit dem Verkäufer, wie lange Sie fahren dürfen und welche Strecke möglich ist. Fahren Sie, wenn es die Bedingungen erlauben, durch den Stadtverkehr und über Landstraßen. Autobahnfahrten sollten Sie vorher ausdrücklich absprechen. Planen Sie genug Zeit ein, um das Auto auch langsam zu fahren und anschließend gemeinsam anzusehen.
Fragen Sie vor dem Start, ob das Auto zugelassen und versichert ist, wer fahren darf und welche Kosten bei einem Schaden auf Sie zukommen. Klären Sie auch eine mögliche Selbstbeteiligung, also den Betrag, den Sie im Schadensfall selbst tragen. Die Antworten hängen von der konkreten Vereinbarung ab. Lesen Sie diese vor der Unterschrift und fahren Sie nicht los, solange Versicherungsschutz oder Haftung ungeklärt sind. Bei einem Privatverkauf sollten Sie diese Punkte besonders eindeutig festhalten.
Nehmen Sie einen gültigen Führerschein und einen Lichtbildausweis mit. Eine Begleitperson ist hilfreich: Sie kann Beobachtungen notieren, während Sie sich auf den Verkehr konzentrieren. Wenn Ihnen eine Probefahrt nur für wenige Minuten angeboten wird, fragen Sie nach einer längeren Fahrt. Der ADAC nennt ein paar Stunden als üblich, legt damit aber keine Mindestdauer fest. Entscheidend ist, dass Sie die für Ihren Alltag wichtigen Fahrsituationen prüfen können.
Checkliste vor der Abfahrt
- Führerschein und Lichtbildausweis einpacken.
- Dauer und Strecke klären. Außerdem klären, wer fahren darf und welcher Versicherungsschutz gilt.
- Vereinbarung lesen und mögliche Selbstbeteiligung erfragen.
- Auto gemeinsam auf sichtbare Schäden prüfen und diese fotografieren.
- Bei Bedarf Kindersitz, Gepäck oder andere typische Alltagsgegenstände mitbringen.
- Wenn möglich um einen Start mit kaltem Motor bitten.
Bei kaltem Motor lassen sich das Startverhalten und die Geräusche beim Anlassen besser beurteilen. Ein bereits warmer Motor beweist für sich allein jedoch weder einen Mangel noch eine Täuschung. Halten Sie sichtbare Vorschäden vor der Fahrt fest, damit später klar ist, welche Schäden bereits vorhanden waren.
Im Auto und auf der Strecke prüfen
Richten Sie zuerst Sitz, Spiegel und Lenkrad ein. Achten Sie darauf, ob Sie bequem sitzen, die Straße gut überblicken und problemlos ein- und aussteigen können. Prüfen Sie außerdem, ob Mitfahrende genug Platz haben und ob der Kofferraum zu Ihrem Bedarf passt. Wer regelmäßig einen Kindersitz, einen Hund oder größere Gegenstände transportiert, sollte genau das vor Ort ausprobieren.
Starten Sie das Auto und beobachten Sie, ob Warnleuchten nach dem Anlassen erlöschen. Testen Sie anschließend bei normaler Fahrt Lenkung, Schaltung und Bremsen. Achten Sie auf Ruckeln, ungewöhnliche Geräusche, Vibrationen oder ein Ziehen zu einer Seite. Solche Beobachtungen sind Hinweise, aber noch keine Diagnose. Eine Begleitperson kann Zeitpunkt und Situation notieren, etwa: „Vibration beim Bremsen auf der Landstraße“.
Fahren Sie nach Möglichkeit über unterschiedliche Straßen. Langsames Fahren und eine schlechtere Fahrbahn helfen, Brummen oder Klappern wahrzunehmen. Bei höherem Tempo können Sie prüfen, ob das Auto die Spur hält, und zugleich auf Geräusche oder Vibrationen achten, sofern die Strecke und die vereinbarten Bedingungen das zulassen. Prüfen Sie die Bremsen nur bei normaler, sicherer Fahrt. Riskante Bremsmanöver gehören nicht in den öffentlichen Straßenverkehr.
Bedienen Sie während der Fahrt Heizung, Lüftung und Klimaanlage und prüfen Sie wichtige Funktionen, ohne sich vom Verkehr abzulenken. Wer ein bestimmtes Modell ins Auge gefasst hat, sollte bekannte Schwachstellen gezielt im Blick behalten. Bei älteren Fahrzeugen können zum Beispiel Roststellen relevant sein, wenn sie für das Modell bekannt sind.
Nach der Fahrt entscheiden
Sehen Sie sich das Auto nach der Rückkehr gemeinsam mit dem Verkäufer noch einmal an. Sprechen Sie neu entdeckte Auffälligkeiten zeitnah an und halten Sie sie schriftlich fest. Verspricht der Verkäufer Reparaturen oder bestimmte Eigenschaften des Autos, lassen Sie diese Punkte im Kaufvertrag festhalten. Das gilt auch für zugesagte Ausstattung, die mitgeliefert wird.
Kaufen Sie nicht unter Zeitdruck direkt nach der Fahrt. Wenn Geräusche, Warnleuchten oder das Fahrverhalten Fragen offenlassen, bitten Sie um eine unabhängige technische Prüfung. Eine Probefahrt zeigt, wie sich das Auto fährt und bedienen lässt. Sie beurteilt nicht zuverlässig den gesamten technischen Zustand.
Bei einem gebrauchten Elektroauto reicht eine kurze Fahrt nicht aus, um den Zustand der Antriebsbatterie sicher einzuschätzen. Vergleichen Sie die angezeigte Reichweite mit Ihrem Fahrprofil und fragen Sie nach einem Nachweis zum Batteriezustand.