Beim Kauf eines gebrauchten Jeep zählen Modell und Zustand mehr als der Ruf der Marke als robust: Renegade, Grand Cherokee und Wrangler unterscheiden sich in Technik, Einsatzzweck und typischen Schwachstellen.
Gebrauchtwagentests sehen Renegade und Grand Cherokee IV nicht als grundsätzlich anfällig. Sie nennen mögliche Probleme mit der Elektrik; auch Infotainment und einzelne Bauteile können betroffen sein. Der Wrangler eignet sich fürs Gelände, bringt im Alltag jedoch Abstriche bei Komfort und Verbrauch mit sich. Wartungsnachweise, bisherige Nutzung und eine gründliche Probefahrt helfen bei der Kaufentscheidung.
Robustheit hängt vom Modell ab
Ein Jeep kann viel aushalten und trotzdem Reparaturen brauchen. Geländefahrten, Anhängerbetrieb, Umbauten und versäumte Wartung belasten ein Fahrzeug anders als überwiegender Stadtverkehr. Auch innerhalb einer Baureihe unterscheiden sich Motoren, Getriebe und Ausstattung.
Prüfberichte zeigen, welche Stellen Sie bei der Besichtigung prüfen sollten. Sie sagen aber nicht voraus, ob ein bestimmtes Auto mängelfrei ist. Achten Sie beim Vergleich daher auf Modellgeneration, Baujahr, Motorisierung und Allradantrieb. Ein Test zum Renegade lässt sich nicht ohne Weiteres auf einen Wrangler übertragen.
Renegade: Elektrik und Geräusche prüfen
Ein AUTO-BILD-Gebrauchtwagentest stuft den Renegade als unauffällig ein, nennt aber mehrere Stellen für die Besichtigung. Dazu zählen eine Batterie, die sich sporadisch entlädt, und Fehlermeldungen. Auch Störungen des Start-Stopp-Systems werden genannt. Auch das Infotainment kann Probleme machen. Probieren Sie deshalb Bildschirm, Radio, Navigation und Start-Stopp-Funktion während der Besichtigung vollständig aus.
Brummen oder Geräusche beim Wechsel zwischen Beschleunigen und Rollenlassen können auf defekte Motorlager oder Koppelstangen an der Radaufhängung hindeuten. Bei Allradversionen sollte eine Werkstatt außerdem das Hinterachsdifferenzial prüfen. Kontrollieren Sie auch, ob Türdichtungen fest sitzen und Säulenverkleidungen sauber befestigt sind. Quietschen die Bremsen, lassen Sie prüfen, warum sie quietschen und in welchem Zustand sie sind. Tun Sie das Geräusch nicht als bloßen Schönheitsfehler ab.
Bei einem Renegade mit Anhängerkupplung ist der Rückruf aus dem Jahr 2017 relevant: Dabei ging es um möglicherweise fehlende Befestigungen. Fragen Sie nach dem erledigten Rückruf und lassen Sie den Status anhand der Fahrzeugidentifikationsnummer prüfen. Das gilt für das betroffene Fahrzeug, nicht pauschal für jeden Renegade.
Grand Cherokee IV: Elektronik und Getriebe
Beim Grand Cherokee IV hebt AUTO BILD keine schwerwiegenden allgemeinen Schwachstellen hervor. Probleme mit Elektrik oder Elektronik können trotzdem lästig sein und die Suche nach der Ursache verteuern. Prüfen Sie daher sämtliche elektrischen Funktionen. Testen Sie auch Radio und Navigation. Lassen Sie sich außerdem erklären, welche Software-Updates oder Reparaturen bereits erfolgt sind.
Auch das Baujahr und die Nutzung spielen beim Getriebe eine Rolle. Bis 2013 kam laut dem Test eine Fünfgang-Automatik zum Einsatz, danach eine Achtgang-Automatik. Für die ältere Ausführung beschreibt der Test ein erhöhtes Risiko bei rasanter Fahrweise und starkem Anhängerbetrieb. Wer einen Grand Cherokee als Zugfahrzeug kaufen möchte, sollte deshalb Rechnungen und Wartungsnachweise genau ansehen und das Getriebe bei der Probefahrt prüfen lassen.
Die zulässige Anhängelast hängt auch von der Ausstattung ab. Maßgeblich sind die Fahrzeugpapiere des konkreten Autos.
Wrangler: Geländestärke hat ihren Preis
Der Wrangler eignet sich besonders für Fahrten abseits befestigter Straßen. Ein ADAC-Test des Wrangler Unlimited Rubicon mit Automatik lobt seine Geländefähigkeit, nennt aber Einschränkungen beim Fahrkomfort auf der Straße und bei der Alltagstauglichkeit. Im EcoTest verbrauchte genau diese Testversion durchschnittlich 9,7 Liter Diesel je 100 Kilometer und stieß 255 Gramm CO₂ je Kilometer aus. Das sind Werte eines bestimmten Testwagens und keine Verbrauchsangabe für alle Wrangler.
Bei einem gebrauchten Wrangler zählt, wie das Fahrzeug tatsächlich genutzt wurde. Fragen Sie nach Geländeeinsatz und Umbauten. Prüfen Sie Unterboden und Karosserie auf Beschädigungen und lassen Sie auffällige Veränderungen von einer sachkundigen Werkstatt beurteilen. Eine saubere Optik sagt wenig darüber aus, ob ein Auto regelmäßig im Gelände gefahren oder technisch sorgfältig gewartet wurde.
Besichtigung und Probefahrt
Vereinbaren Sie die Besichtigung möglichst bei Tageslicht und testen Sie das Auto mit kaltem Motor. So fallen Startprobleme, Warnmeldungen und ungewöhnliche Geräusche eher auf. Achten Sie bei der Probefahrt darauf, dass das Getriebe ruhig schaltet und das Auto gleichmäßig bremst. Hören Sie außerdem auf Geräusche aus Fahrwerk und Antrieb. Bei einem Renegade mit Allradantrieb sollte eine Werkstatt gezielt das Hinterachsdifferenzial prüfen.
Prüfen Sie vor dem Kauf diese Punkte:
- Entsprechen Modell, Baujahr, Motor und Getriebe den Angaben in den Papieren?
- Sind Wartungen und Reparaturen durch Rechnungen oder ein Serviceheft belegt?
- Funktionieren Beleuchtung, Infotainment, Start-Stopp-System und alle weiteren elektrischen Funktionen?
- Sind Dichtungen, Verkleidungen, Bremsen und Unterboden in ordentlichem Zustand?
- Sind Rückrufe für die Fahrzeugidentifikationsnummer erledigt?
- Passen Anhängerbetrieb, Geländenutzung und Umbauten zur dokumentierten Wartung?
Bleiben Warnleuchten an, treten Geräusche auf oder fehlen wichtige Nachweise, sollte eine unabhängige Werkstatt das Fahrzeug vor dem Kauf untersuchen, besonders wenn der Verkäufer die Ursache eines Mangels nicht nachvollziehbar erklären kann.
Wartungskosten realistisch einplanen
Ob ein Jeep ins Budget passt, hängt neben dem Kaufpreis auch von den Wartungskosten ab. Bei größeren Fahrzeugen sowie bei Allradtechnik und Automatikgetrieben sollten Sie besonders genau auf den Wartungszustand achten. Lassen Sie sich vor dem Kauf anstehende Arbeiten und bekannte Mängel schriftlich nennen. Fragen Sie bei größeren Reparaturen eine Werkstatt nach einer Kostenschätzung.
AUTO BILD nannte für eine große Inspektion des Grand Cherokee IV durchschnittlich rund 690 Euro. Dieser Wert stammt aus dem damaligen Gebrauchtwagentest und ist kein aktueller Kostenvoranschlag. Die Kosten für ein konkretes Fahrzeug hängen vom Baujahr und Motor ab. Auch der Umfang der fälligen Arbeiten und die Werkstatt spielen eine Rolle.