Bei einem gebrauchten Chrysler unterscheiden sich Technik und Schwachstellen je nach Modell: PT Cruiser, 300C, Voyager und Sebring haben jeweils eigene Besonderheiten. Klären Sie zuerst Modell, Baujahr und Motor. Eine Mängelliste für die ganze Marke hilft bei der Prüfung kaum.
Prüfen Sie Fahrwerk, Bremsen und Elektrik. Kaufberichte nennen beim PT Cruiser unter anderem Geräusche an der Achse und Elektrikprobleme. Beim Voyager berichten sie auch von Problemen mit den Bremsen und Schiebetüren. Entscheidend sind der Zustand des einzelnen Autos und belegte Wartungsarbeiten.
Chrysler-Modell und Motor bestimmen
Die Chrysler-Modelle unterscheiden sich deutlich: Der PT Cruiser ist ein Kompaktwagen, der 300C eine große Limousine, der Voyager ein Van und der Sebring eine Mittelklasse-Limousine oder ein Cabriolet. Prüfen Sie die genaue Modellgeneration und den Motor, bevor Sie Berichte über typische Mängel auf das angebotene Auto beziehen.
Auch das Baujahr ist wichtig. Ein älterer Gebrauchtwagentest zeigt die damaligen Prüfergebnisse für den PT Cruiser. Neuere Prüfstatistiken zu Voyager und Sebring stammen aus britischen Fahrzeugprüfungen. Diese Angaben helfen Ihnen, die Besichtigung gezielt vorzubereiten. Sie zeigen aber nicht, welcher Defekt an einem einzelnen Auto vorliegt.
PT Cruiser: Vorderachse und Elektrik prüfen
Beim PT Cruiser sollten Sie während der Probefahrt auf Poltern an der Vorderachse und Spiel in der Lenkung achten. Ein Bericht von auto motor und sport nennt defekte Traggelenke und ausgeschlagene Spurstangenköpfe als mögliche Ursachen für Fahrwerksprobleme. Fahren Sie dafür langsam über Unebenheiten und achten Sie darauf, ob das Auto präzise geradeaus läuft.
Testen Sie die Bremsen bei mehreren Bremsungen auf gleichmäßige Wirkung. Prüfen Sie außerdem sämtliche elektrischen Funktionen. Dazu gehören Fensterheber und Zentralverriegelung ebenso wie die Komfortausstattung. Kaufberichte nennen auch Zündspulenprobleme und Undichtigkeiten an Motor oder Getriebe. Kontrollieren Sie deshalb den Motorraum und den Untergrund unter dem Wagen auf frische Öl- oder andere Flüssigkeitsspuren.
Ein n-tv-Beitrag aus dem Jahr 2013 beschreibt bei damaligen Prüfergebnissen viele Mängel. 2020 bewertete auto motor und sport Motoren und Getriebe weniger pauschal negativ und hielt hohe Laufleistungen für möglich. Die Ergebnisse lassen sich einordnen, wenn Sie Fahrwerk, Elektrik und Antrieb getrennt betrachten. Ein sauber laufender Motor gleicht eine ausgeschlagene Vorderachse nicht aus.
300C: Fahrwerk und Folgekosten prüfen
Beim 300C hören Sie auf Knacken oder Poltern, wenn Sie über Bodenwellen fahren oder langsam einlenken. Prüfen Sie auch Reifen auf ungleichmäßigen Abrieb. Eine Gebrauchtwagen-Checkseite nennt Geräusche an Vorder- und Hinterachse als mögliche Prüfpunkte. Die genannten Punkte dienen als Hinweise für die Besichtigung; sie zeigen nicht, wie häufig solche Schäden auftreten.
Testen Sie alle elektrischen Funktionen und prüfen Sie die Warnleuchten im Armaturenbrett. Bei Dieselversionen sollten Sie die Wartungsnachweise prüfen und den Fehlerspeicher auslesen lassen. Beurteilen Sie den Motor danach, ob er gleichmäßig zieht, und achten Sie beim Getriebe darauf, ob es ohne auffällige Verzögerung schaltet. Ein ruhiger Leerlauf reicht für die Zustandsprüfung nicht aus.
Planen Sie außerdem Kraftstoffverbrauch und Werkstattzugang ein. Der ADAC nennt für den getesteten 300C mit V8-Motor und Automatik aus dem Modellzeitraum 06/2004 bis 11/2007 einen Testverbrauch von 12,1 Litern je 100 Kilometer und eine begrenzte Werkstattauswahl als Nachteile. Dieser Wert gilt für genau diese getestete Variante, nicht für jeden 300C.
Voyager und Sebring: Bremsen und Elektrik
Bei Voyager und Sebring sollten Sie Beleuchtung, elektrische Funktionen, Bremsen und Fahrwerk gründlich testen. Die britischen MOT-Prüfungen, also regelmäßige Fahrzeugprüfungen, geben Hinweise auf mögliche Prüfpunkte bei Voyager und Sebring. Ihre Ergebnisse sind jedoch nicht mit denen der deutschen Hauptuntersuchung gleichzusetzen.
Beim Voyager kommen die Schiebetüren hinzu. Öffnen und schließen Sie jede Tür mehrfach und achten Sie auf hakelige Bewegungen oder ungewöhnliche Geräusche. Bei Automatikversionen beobachten Sie das Schaltverhalten sowohl mit kaltem als auch mit warmem Fahrzeug. Verzögerungen, Ruckeln oder unwillige Gangwechsel sollten vor dem Kauf in einer Werkstatt abgeklärt werden.
Probefahrt gezielt nutzen
Eine gründliche Probefahrt hilft, Mängel zu erkennen, die bei einer kurzen Runde auf ebenem Asphalt verborgen bleiben. Fahren Sie möglichst auch über Unebenheiten, bremsen Sie kontrolliert und testen Sie das Auto bei verschiedenen Geschwindigkeiten. Hören Sie auf neue Geräusche und prüfen Sie, ob das Fahrzeug beim Bremsen oder Beschleunigen zur Seite zieht.
Gehen Sie bei der Besichtigung in dieser Reihenfolge vor:
- Starten Sie den Motor möglichst kalt und achten Sie auf ungewöhnliche Geräusche oder Warnleuchten.
- Prüfen Sie Lenkung und Fahrwerk auf Spiel, Poltern und schwammiges Fahrverhalten.
- Testen Sie Bremsen, Licht, Fensterheber, Sitze, Spiegel, Klimaanlage und Zentralverriegelung.
- Kontrollieren Sie Flüssigkeitsstände und sichtbare Spuren im Motorraum sowie unter dem Fahrzeug.
- Lassen Sie Auffälligkeiten vor dem Kauf von einer unabhängigen Werkstatt oder einer sachverständigen Person prüfen.
Wartungsnachweise und Zustand prüfen
Lassen Sie sich Rechnungen und Wartungsnachweise zeigen und vergleichen Sie die Kilometerstände in den Unterlagen mit den Belegen. Prüfen Sie außerdem, ob frühere Reparaturen zu den sichtbaren Gebrauchsspuren passen. Ein plausibler Kilometerstand belegt keine regelmäßige Wartung.
Untersuchen Sie die Karosserie und den Unterboden. Beziehen Sie auch Reifen und Auspuff in die Prüfung ein. Bei einem Fahrzeug mit auffälligem Fahrwerk oder ungleichmäßigem Reifenabrieb sollten Sie vor Vertragsabschluss klären lassen, ob weitere Teile betroffen sind. Offene Rückrufe lassen sich anhand der Fahrzeugidentnummer beim Hersteller oder einer Werkstatt prüfen. Aktuelle pauschale Reparaturkosten lassen sich für die unterschiedlichen Modelle und Motoren nicht seriös angeben.